Liebe Leserinnen und Leser,
ich sage da wohl kaum etwas Neues, wenn ich feststelle, dass der christliche Glaube heute mehr und mehr in die Defensive gedrängt wird und der gläubige Mensch sich immer mehr rechtfertigen muss, wieso er denn heutzutage noch an Gott glauben könne. Gleichzeitig aber erleben wir eine Zunahme an „Glaubensvermutungen“, die ganz und gar irrational sind. So hat das Flaggschiff der Deutschen Bahn, der ICE, keine Wagennummer 13. Nach Wagen 12 kommt Wagen 14. Man trägt Talismane und andere Glücksbringer, verschiedene Zeremonien auf Fußballplätzen sollen den Erfolg garantieren. Kann der Mensch wohl doch nicht auskommen ohne die Ahnung einer „höheren Macht“? Sollte der russische Religionsphilosoph Nikolaj Berdjajew doch richtig gelegen haben, wenn er sagt, dass der Mensch unheilbar religiös sei?
Warum hat der Mensch eine Ahnung von einem „Happy-End“. Kein Film kommt ohne „Happy-End“ aus. Und wenn doch, schleicht sich sofort das Gefühl ein, dass hier noch etwas fehle. So könne doch kein Ende sein! Da muss noch was kommen! Und warum hat der Mensch eine Sehnsucht nach Gerechtigkeit, wenn diese doch auf Erden keine Erfüllung findet? Und warum bringt der Mensch Taten der Liebe und der Verantwortung hervor, wenn er nicht doch insgeheim den Wunsch in sich trägt, dass all seine Taten Ewigkeitscharakter haben und zur Vollendung führen wollen?
Ich erinnere mich an ein Interview. Einer der Überlebenden des schlimmen Seilbahnunglücks am 11. November 2000 in Kaprun wurde einmal gefragt, was er denn im Augenblick der Katastrophe dachte. Er antwortete sinngemäß: „Es war ganz komisch; ich habe gebetet, obwohl ich gar nicht an Gott glaube.“
Könnte es also nicht so sein, dass der Glaube gar nicht das Außergewöhnliche ist, sondern eher das dem Menschen Gemäße. Müsste dann der Gläubige seinen Glauben ständig rechtfertigen oder wäre es dann nicht umgekehrt so, dass der, der ohne Glauben meint zu leben, genau dies ganz wahrhaftig begründen müsste?
Es grüßt Sie herzlich,
Ihr Pfarrer Franz Langstein
Katholisches Pfarramt
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