Chronik der Katholischen Kirchengemeinde Heilig
Kreuz Fronhausen/Lohra
In Auszügen aus der handschriftlich
geführten Chronik
für
das Internet bearbeitet
1946
Während
des 2. Weltkrieges waren aus dem Saargebiet mehrere Katholiken in die hiesigen
Dörfer gekommen, die von Kaplan Schreiner, ebenfalls aus dem Saargebiet,
betreut wurden. Diese Flüchtlinge zogen gegen und nach Kriegsende wieder in
ihre Heimat zurück. Dafür aber kamen Flüchtlingstransporte vorwiegend aus
Böhmen und Nordmähren und 60 Personen aus Schlackenwert bei Karlsbad hier an.
Mit den Heimatvertriebenen aus Schlackenwerth kam auch der Sekretär des
erzbischöflichen Generalvikars Dr. Karl Reiß, der die Katholiken aus Fronhausen
und Umgebung in den ersten 6 Wochen betreute und dann sein Amt bis zum Herbst
an Kaplan Dorn (von den weißen Vätern) aus Marburg abgab. Als neuer Seelsorger
kam dann Probst Dr. Johann Sailer, der vorher Probst der Pfarr- und
Wallfahrtskirche Maria-Kulm bei Falkenau a. d. Eger war und als Untermieter bei
Mathe wohnte. Er war es auch, der den Grundstein für diese Chronik legte. Im
Seelsorgebezirk Fronhausen gab es vor den Flüchtlingsströmen 40 Katholiken,
durch die Kriegswirren waren es plötzlich 1700 in 18 Orten! Die Orte der
heutigen Großgemeinde Lohra wurden noch von dem damaligen Pfarrer Georg Pleier,
Gladenbach, betreut. Der Bereich Kirchvers bis Erbenhausen, war ohnehin groß
genug für einen Pfarrer, der alle Wege zu Fuß machen musste. Die Hl. Messen
wurden Dank der wohlwollenden Verständnisses der ev. Pfarrer in den ev.
Gotteshäusern von Fronhausen, Bellnhausen und Kirchvers abgehalten.
1947
Im Februar des strengen Winters bat das Ordinariat Limburg das
Generalvikariat Fulda, Pfarrer Pleier, Gladenbach, die Seelsorge für Lohra und
Umgebung abzunehmen und der Sellsorgestelle Fronhausen zu über übergeben. Für
Pfarrer Sailer war dies mit sehr viel mehr Mehrarbeit verbunden. Den einen
Sonntag in Fronhausen – Bellnhausen- Rollshausen, den anderen in Fronhausen –
Lohra – Kirchvers zelebrieren, Dienstag in der Schule Lohra, Mittwoch
Oberwalgern, Donnerstag Kirchvers, Freitag Rollshausen, Samstag abwechselnd
Odenhausen – Salzböden, und das alles: perpedes – heute nicht mehr vorstellbar.
Auch das kleine Zimmerchen von 2,80 * 3,50 m² machen Leben und Arbeit nicht
leicht. Dennoch, die Seelsorge macht Freude. Die allsonntäglich gut besetzten
Kirchen bringen eine Entschädigung für die weiten Wege. Trotz dem großen
Entgegenkommen der ev. Pfarrer bei der Kirchenbenutzung besteht der große
Wunsch, an wenigstens einem Ort eine eigene Kirche zu haben. Neben dem
Reichs-Arbeits-Dienst-Lager Damm, hatten die Amerikaner nach Ende des Krieges
eine viertorige hölzerne Autohalle gebaut, die ab Sommer 1947 nicht mehr
gebraucht wurde und die sich als Kirche eignete. Nach vielen Bemühungen gelang
es tatsächlich im Dezember diese Halle vom Lande Hessen für 2120 RM zu erwerben.
Der Generalvikar von Fulda gab 2000 RM und Pfarrer Sailer selbst legte zur
Deckung der Kosten 120 RM dazu.
1948
Der Kauf der Halle beschäftigte Pfarrer Sailer so stark, dass
zumindest in seiner Chronik-Niederschrift über nichts sonst mehr berichtet
wird. Da überall Knappheit an Materialen herrschte, lies der Lagerleiter z. B.
die Pappe vom Dach abnehmen und andere Mitmenschen versorgten sich mit
Brennholz, indem sie die Tore abrissen. Es wurde also Zeit, etwas mit der Halle
anzufangen. Sie wurde in Einzelteile zerlegt und auf dem Zimmerplatz von Herrn
Seibert in Etzelmühle deponiert. Inzwischen kam die Währungsreform (21. Juni
1948) und die Deutsche Mark löste die Reichsmark ab. Der Bauplan für die Kirche
wurde im Sommer 1948 von Thilo Czettritz und Pfarrer Sailer entworfen. Die
Gemeinde Fronhausen stellte das Grundstück trotz aller Bemühungen durch Pfarrer
Nüdling (Marburg) und den ganzen Kirchenvorstand nur in Erbpacht für 45,00 DM
im Jahr zur Verfügung. Aber um mit dem Bau der Fundamente beginnen zu können,
fehlte wieder Geld. Eine Sammlung erbrachte 1500,00 DM. Pfarrer Sailer erhielt
für einen eigenen mitgebrachten Teppich von dem Baumeister der Firma Lemmer aus
Lollar, Wilhelm Pickmann, der ein Katholik war, 600 DM. Durch Herrn Pickmann
lernte Pfarrer Sailer Direktor Keller von den Buderus’schen Eisenwerken in
Lollar kennen, der 1000 Sack Zement stiftete. Dadurch konnte noch in der
zweiten Novemberhälfte bei schönem Herbstwetter mit dem Grundausheben begonnen
und der Sockel bis Mitte Dezember fast fertiggestellt werden.
1949
Mesner Katzer und Pfarrer Sailer sind noch immer per pedes
unterwegs. In Kirchvers gibt es inzwischen ein von Pfarrer Sailer ausgebildeten
Laienprediger: Robert Tschöp. Für den Weiterbau der Kirche wurden im Juni vom
Bonifatiusverein 15.000 DM zur Verfügung gestellt. Alsbald konnte auch die
Grundsteinlegung festlich begangen werden. Zur Allerheiligenlitanei waren auch
viele Protestanten gekommen. Die Erstkommunionen wurden noch ein letztes Mal in
den ev. Kirchen gefeiert. Der Kirchenbau machte Fortschritte. Nachdem
Zimmermann Seibert aus Damm-Etzelmühle nach dem Plan des Architekten Czettritz
den Fachwerkbau erstellt hatte, konnte das Richtfest gefeiert werden. Für das
Ausmauern des Fachwerks fuhren die Kinder mit enormem Eifer, der den
Erwachsenen oft fehlte, in Schubkarren die Bimssteine herbei. Vom Heimweh oft
wie gelähmt, sagten sich viele immer noch: „Wir wollen ja heim, wozu dann erst
eine Kirche bauen“. Das Ausmauern des Fachwerks übernahm die Firma Lemmer aus
Lollar. Doch bald fehlte es wieder an Geld. Aus Fulda kamen 500,00 DM, doch das
war viel zu wenig. Um weiterbauen zu können, wurde von Pfarrer Sailer ein
Wechsel über 2500,00 DM aufgenommen und Pfarrer Nüdling aus Marburg übernahm
die Garantie für ein Darlehen über 2500,00 DM. Nun konnte es weitergehen. Von
Marburg wurde ein neuer Architekt namens Morawetz aus Marburg eingesetzt, der
bezüglich des Weiterbaus andere und teurere Vorstellungen hatte. So wurde die
Kirche außen zum Kälteschutz mit Heraklit-Platten verkleidet und verputzt und
durch farbige Glasfenster und Boden-Platten schöner gestaltet.
Die Putzarbeiten übernahm Malermeister Peter Keil.

1950
Am 14. September 1950 wurde durch Pfarrer Sailer, Kaplan
Siegfried Reis aus Marburg, Pfarrer Reimann und den Kirchenchor aus Marburg die
neue Kirche eingeweiht.

Sie war zwar zu diesem Zeitpunkt für die Feierlichkeiten schön
geschmückt, aber noch ohne Bänke. Als Dr. Keller von den Buderus’schen
Eisenwerken bei diesem Festakt Herrn Pfarrer Sailer mitteilte: „Der Wechsel ist
bezahlt und das Gestühl schenken wir Ihnen auch“, fiel Pfarrer Sailer ein Stein
vom Herzen.
Eine Woche später fand für insgesamt 45 Kinder vom ganzen
Pfarrbezirk die Erstkommunion in der neu eingeweihten Kirche statt.
Die weitere Ausgestaltung der Kirche ging schleppend. Aber bis
Weihnachten erhielt sie wenigstens eine Krippe, und Dank der Großzügigkeit von
Dr. Keller waren auch schon die Bänke da. In seinem Sommerurlaub hatte
Pfarrer Sailer eine Glockengießerei in
Hackeberg bei Passau besucht und dort eine zum Einschmelzen vorgesehene alte
115 kg schwere Glocke (aus Altöttig) organisieren können. Diese wurde am Montag
vor dem 24. Dezember am Bahnhof Fronhausen angeliefert. Herr Schwarz brachte sie mit seinem
„Goliath“-Dreirad zur Kirche und Schlosser Louis zog sie in aller Stille auf.
Da Pfarrer Sailer die Beteiligten um absolute Verschwiegenheit gebeten hatte,
war es für alle eine große Überraschung, als die Glocke an Heiligabend um 23.00
Uhr zum erstenmal läutete.
1951
Die weitere Ausstattung der Kirche wurde auch 1951 fortgesetzt.
Otto Scharf malte die Bilder des Kreuzweges und Pfarrer Sailers Jugendfreunde
Walter und Maria Lorenz schenkten der Kirche das Bild „Maria mit dem Kinde
lieb“. Der Taufbrunnen wurde von Josef Hanke gemeißelt und von Silberschmied
Richard Knorr mit Schale und Deckel versehen.
1951 gingen wieder 37 Kinder zur Erstkommunion und es fand seit
ca. 400 Jahren die erste Fronleichnamsfeier statt.
1952 – 1961
Wie es oft das Schicksal von Chroniken ist: Sie werden
angefangen und nicht fortgeführt. Diese Chronik wird zwar 1962 fortgeführt,
aber für die Jahre 1952 bis 1961 liegen leider keine schriftlich festgehaltenen
Informationen vor. Pfarrer Sailer wurde 1958 von seinem Orden nach Wien berufen
und Pfarrkurat Georg Knappik trat seine Nachfolge an. Sollten Sie, liebe Leser
für diesen Zeitraum noch etwas nachtragen können, sind Ihre Informationen
herzlich willkommen.
1962
Am 15. Mai 1962 übertrug Bischof Dr. Adolf Bolte die
seelsorgerische Leitung der im März 1962 zur Pfarrkuratie erhobenen Gemeinde
Fronhausen an den Pfarrkuraten Clemens Mayer. Clemens Mayer wurde 1928 geboren
und hatte von 1954 an bereits drei Kaplanstellen in Hessenfeld, Fulda und
Rasdorf. Seine Versetzung an das Randgebiet der Diözese Fulda, wo die Nachbarn
zu Limburg und Mainz gehören, brachte ihn weit weg von der Bischofsstadt Fulda.
In Fronhausen fand Clemens Mayer eine renovierte Kirche, ein neues Pfarrhaus
und in Lohra einen Kirchensaal vor. Das Gebiet der Pfarrkuratie Fronhausen hatte
nach dem Kriege im Jahre 1947 etwa 3000 Seelen, 1962 nur noch 940.
Am Samstag, den 7. Juli feierte der aus Fronhausen stammende
Neupriester Franz Karl Müller sein erstes Heiliges Messopfer. Als Abschluss
fand am Abend in der Mehrzweckhalle der erste Pfarrfamilienabend statt. Da
Fronhausen früher zur Diözese Limburg gehörte und im Prinzip im Grenzbereich
von Fulda, Limburg und Mainz liegt und die meisten Gläubigen, wie auch die
bisherigen Priester Vertriebene waren und nicht aus dem Bereich der Diözese Fulda
kamen, war die Anbindung an die Diözese Fulda sehr gering. Pfarrer Mayer
versuchte, diese Bindung zu verbessern und auch dafür zu sorgen, dass mehr
Lieder aus dem Diözesan-Gesangbuch gesungen wurden. Das Jahr 1962 war ein Jahr vieler Neuerungen:

1963

1964
1965
·
Die
Fertigstellung der Kirche Lohra war in greifbarer Nähe. Die Glasfester wurden von Erwin Fischer
entworfen und von Glasermeister Hartwig aus Korbach gebaut. Die schöne
Holzdecke wurde in Eigenleistung von Schreinern der Gemeinde mit ihren eifrigen
Helfern erstellt.

Die Glocken der Kirche Lohra:

1966
1967 – 1968
1969
1970



1971
1972 - 1973
Hier enden nun leider die schriftlichen Aufzeichnungen für diese
Chronik, obwohl es sicherlich auch für die noch fehlenden Jahre einiges zu
berichten gäbe. Sollten Sie, liebe Leser, für den Zeitraum 1973 bis heute, als
auch für die Jahre 1952 - 1961 noch etwas nachtragen können, sind Ihre
Informationen zum Fortschreiben dieser Chronik herzlich willkommen. Eine
Internetseite ist ein lebendiges Medium und kann und soll, anders als ein
gedrucktes Buch, immer den Veränderungen angepasst werden. Bitte wenden Sie
sich in diesem Fall an das Pfarramt oder an eine der anderen Kontaktpersonen.
Fronhausen, im August 2000